Wer sollte kein Hanföl verwenden? Diese Gruppen sollten vorsichtig sein
1 Januar 2026 0 Kommentare Eveline Messerschmidt

Wer sollte kein Hanföl verwenden? Diese Gruppen sollten vorsichtig sein

Hanföl mit CBD wird von vielen als natürliches Mittel gegen Stress, Schmerzen oder Schlafprobleme genutzt. Aber es ist kein Wundermittel - und nicht für jeden geeignet. Wer glaubt, dass es einfach harmlos ist, weil es aus Pflanzen kommt, liegt falsch. Einige Menschen sollten Hanföl ganz meiden oder erst mit einem Arzt sprechen, bevor sie es probieren.

Personen, die Medikamente einnehmen, die vom Leberenzym CYP3A4 abhängig sind

Hanföl beeinflusst die Leber. Genauer gesagt: Es hemmt das Enzym CYP3A4, das für den Abbau von über 60 Prozent aller verschriebenen Medikamente zuständig ist. Das bedeutet: Wenn du Blutdruckmittel, Antidepressiva, Blutverdünner wie Warfarin, Cholesterinsenker oder sogar bestimmte Krebsmedikamente nimmst, kann Hanföl die Wirkung verstärken - oder unerwartete Nebenwirkungen auslösen.

Ein Fall aus der Praxis: Eine 68-jährige Frau aus Linz nahm täglich Clopidogrel, um nach einem Stent Blutgerinnsel zu verhindern. Nach drei Wochen Hanföl bemerkte sie blau-schwarze Flecken an den Beinen. Der Arzt fand heraus: Das Hanföl hatte den Abbau des Medikaments verlangsamt. Ihr Blut wurde zu dünn. Sie musste das Öl sofort absetzen.

Wenn du mehr als zwei Medikamente täglich einnimmst, ist Hanföl ein Risiko. Frag deinen Apotheker oder Arzt, ob deine Medikamente über CYP3A4 verarbeitet werden. Die Liste ist lang - und oft steht das nicht auf der Packung.

Schwangere und stillende Frauen

Obwohl viele Frauen Hanföl als sanftere Alternative zu Schlafmitteln oder Schmerzmitteln suchen, gibt es keine sicheren Studien über seine Wirkung auf den Fetus oder das Säuglingsnervensystem. Die FDA warnt ausdrücklich davor, CBD während der Schwangerschaft oder Stillzeit zu nutzen.

Das Cannabinoid CBD dringt durch die Plazenta und in die Muttermilch ein. Was das für die Entwicklung des Gehirns bedeutet, wissen wir einfach nicht. Tierstudien zeigen, dass hohe Dosen CBD die neuronale Verknüpfung bei Embryos stören können. Ob das beim Menschen passiert, ist unklar - aber wer will das Risiko eingehen?

Wenn du schwanger bist oder planst, es zu werden: Lass das Hanföl liegen. Auch wenn es „natürlich“ klingt - deine Tochter oder dein Sohn braucht keine unbekannten Substanzen, die ihr Gehirn verändern könnten.

Menschen mit Lebererkrankungen

Die Leber ist das zentrale Organ, das CBD abbaut. Wenn sie bereits geschädigt ist - etwa durch Fettleber, Hepatitis oder Alkoholmissbrauch - kann Hanföl die Belastung weiter erhöhen.

Ein Studienbericht aus dem Jahr 2024 zeigte, dass 18 Prozent der Teilnehmer mit bereits eingeschränkter Leberfunktion nach vier Wochen täglicher CBD-Einnahme erhöhte Leberwerte (ALT, AST) aufwiesen. Bei einigen verschlechterte sich die Funktion so stark, dass eine medizinische Behandlung nötig wurde.

Wenn du weißt, dass deine Leber nicht mehr optimal arbeitet, ist Hanföl kein sanfter Begleiter - sondern eine zusätzliche Belastung. Lass dich von einem Gastroenterologen beraten, bevor du auch nur einen Tropfen probierst.

Schwangere Frau in Schlafzimmer, Hanföl-Flasche unberührt neben Warnhinweis.

Personen mit Lebertransplantation oder Organtransplantation

Wer eine Organtransplantation hinter sich hat, nimmt lebenslang Immunsuppressiva. Diese Medikamente halten das Immunsystem davon ab, das neue Organ abzustoßen. Hanföl aber hemmt genau die Enzyme, die diese Medikamente abbauen - und das kann katastrophal sein.

Ein Fall aus einem Wiener Transplantationszentrum: Ein 52-jähriger Mann mit Lebertransplantation nahm Hanföl gegen chronische Schmerzen. Nach zwei Wochen stieg sein Cyclosporin-Spiegel auf das Doppelte des sicheren Wertes. Er bekam schwerste Kopfschmerzen, Übelkeit, und seine Nierenwerte kippten. Die Transplantation war in Gefahr.

Immunsuppressiva haben einen sehr engen therapeutischen Bereich. Selbst kleine Veränderungen können zu Abstoßung oder Vergiftung führen. Hanföl ist hier kein Option - es ist ein gefährliches Spiel mit dem Leben.

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Das Gehirn entwickelt sich bis ins frühe 20. Lebensjahr. CBD wirkt auf das Endocannabinoid-System, das für Lernen, Stimmung und emotionale Regulation verantwortlich ist. Obwohl es keine Beweise gibt, dass CBD bei Kindern schädlich ist, gibt es auch keine langfristigen Studien, die sagen: „Es ist sicher.“

Einige Eltern geben Hanföl gegen ADHS, Angst oder Epilepsie - aber das ist riskant. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat 2023 klargestellt: CBD-Produkte für Kinder dürfen nur unter strenger ärztlicher Aufsicht und mit zugelassenen Arzneimitteln wie Epidiolex verwendet werden. Hanföl aus dem Supermarkt oder Online-Shop ist kein Medikament - und für Kinder tabu.

Wenn dein Kind unter Angstzuständen oder Schlafstörungen leidet: Gehe zum Kinderarzt. Es gibt bewährte, untersuchte Therapien - ohne Risiko für die Hirnentwicklung.

Menschen mit psychischen Erkrankungen wie Schizophrenie oder bipolaren Störungen

Hanföl mit CBD wird oft als „beruhigend“ beworben. Aber bei psychischen Erkrankungen kann es das Gegenteil bewirken. Studien zeigen: Bei Menschen mit Schizophrenie oder bipolaren Störungen kann CBD die Symptome verschlimmern - besonders bei höheren Dosen.

Ein Forscherteam aus Graz untersuchte 47 Patienten mit Schizophrenie, die CBD einnahmen. Bei 31 Prozent trat eine Zunahme von Wahnvorstellungen oder Paranoia auf - innerhalb von zwei Wochen. Die Dosis war niedrig (10-20 mg täglich), aber trotzdem reichte es, um die Krankheit zu destabilisieren.

CBD ist kein Ersatz für Psychopharmaka. Wer unter psychischen Erkrankungen leidet, sollte es nicht ohne Psychiater probieren. Die Risiken überwiegen bei Weitem die unsicheren Vorteile.

Durchscheinende Leber mit roten Rissen, umgeben von Medikamenten, Gehirn und Transplantat.

Wer allergisch auf Hanf oder Cannabinoide reagiert

Obwohl selten, gibt es echte Allergien gegen Hanf. Symptome: Juckreiz, Ausschlag, Atembeschwerden, Schwellungen der Lippen oder Zunge. Manche Menschen reagieren nicht auf das Hanföl selbst, sondern auf Rückstände wie Pollen, Schimmelpilze oder Zusatzstoffe in billigen Produkten.

Wenn du schon einmal nach dem Verzehr von Hanfsamen, Hanfmehl oder Cannabisblüten Hautreaktionen hattest: Vermeide Hanföl. Und wenn du es trotzdem probierst, fange mit einem Tropfen auf der Haut an. Warte 24 Stunden. Keine Reaktion? Dann vielleicht ein Tropfen unter die Zunge. Keine Reaktion? Dann vielleicht ein weiterer Tag warten. Kein Risiko ist kein Risiko.

Was du stattdessen tun kannst

Du hast eine der oben genannten Bedingungen und willst trotzdem etwas für deine Gesundheit tun? Dann gibt es sichere Alternativen.

  • Bei Schlafproblemen: Melatonin, Magnesium oder kognitive Verhaltenstherapie (CBT-I)
  • Bei Schmerzen: Physiotherapie, Wärmebehandlung, Akupunktur
  • Bei Angst: Achtsamkeitstraining, regelmäßige Bewegung, Gesprächstherapie
  • Bei Entzündungen: Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl, Kurkuma mit Pfeffer

Diese Methoden haben Studien hinter sich. Sie wirken. Und sie sind nicht mit lebensgefährlichen Wechselwirkungen verbunden.

Fazit: Hanföl ist kein Allheilmittel - sondern ein Werkzeug mit Grenzen

Hanföl kann helfen. Aber nur, wenn du weißt, wer du bist und was dein Körper braucht. Es ist kein „sicheres Naturprodukt“ für alle. Es ist ein bioaktives Molekül, das mit deinem Körper interagiert - manchmal tief und unvorhersehbar.

Wenn du Medikamente nimmst, schwanger bist, eine Lebererkrankung hast, ein Organ transplantiert bekamst, ein Kind bist, psychisch erkrankt oder allergisch reagierst: Sprich mit einem Arzt, bevor du Hanföl verwendest. Nicht mit einem Verkäufer im Laden. Nicht mit einer Facebook-Gruppe. Mit jemandem, der deine medizinische Geschichte kennt.

Die Natur ist kein Sicherheitsnetz. Manchmal hilft sie - manchmal schadet sie. Deine Gesundheit ist zu wertvoll, um sie dem Zufall zu überlassen.

Darf ich Hanföl nehmen, wenn ich Blutdruckmittel einnehme?

Nein, nicht ohne Rücksprache mit deinem Arzt. Hanföl hemmt das Leberenzym CYP3A4, das viele Blutdruckmittel abbaut. Das kann dazu führen, dass das Medikament zu stark wirkt - und dein Blutdruck zu stark sinkt. Symptome: Schwindel, Müdigkeit, Ohnmacht. Ein Arzt kann deine Werte überwachen und die Dosis anpassen, wenn nötig.

Kann Hanföl bei Epilepsie helfen - und ist es sicher für Kinder?

Ja, bei bestimmten Formen von Epilepsie wie Dravet-Syndrom oder Lennox-Gastaut-Syndrom ist ein zugelassenes CBD-Medikament namens Epidiolex wirksam. Aber das ist ein rezeptpflichtiges Arzneimittel mit genau dosierter Reinheit. Hanföl aus dem Laden ist kein Ersatz - es enthält unkontrollierte Mengen CBD und mögliche Schadstoffe. Für Kinder ist es deshalb nicht sicher.

Ist Hanföl bei Leberproblemen gefährlich?

Ja. Die Leber ist verantwortlich für den Abbau von CBD. Bei bestehenden Lebererkrankungen wie Fettleber, Hepatitis oder Alkoholschaden kann Hanföl die Belastung erhöhen und die Funktion weiter verschlechtern. Studien zeigen erhöhte Leberwerte bei Menschen mit bereits eingeschränkter Leberfunktion. Vermeide Hanföl, wenn du eine Lebererkrankung hast - oder lass dich von einem Gastroenterologen beraten.

Kann Hanföl Depressionen verschlimmern?

Bei einigen Menschen mit Depressionen wirkt CBD beruhigend, bei anderen verstärkt es die Symptome - besonders bei höheren Dosen. Bei bipolaren Störungen oder Schizophrenie ist das Risiko besonders hoch: Es kann zu Manie, Paranoia oder Wahnvorstellungen führen. Wenn du psychisch erkrankt bist, solltest du Hanföl nur unter Aufsicht eines Psychiaters probieren - und selbst dann mit großer Vorsicht.

Was passiert, wenn ich Hanföl mit Alkohol kombiniere?

Beide Substanzen wirken beruhigend auf das zentrale Nervensystem. Zusammen können sie zu übermäßiger Schläfrigkeit, Benommenheit, Koordinationsstörungen oder sogar Atemdepression führen. Besonders bei älteren Menschen oder Menschen mit Leberproblemen ist das gefährlich. Vermeide die Kombination - besonders wenn du Medikamente nimmst.