Wenn du dich mit neuen Cannabinoiden beschäftigst, hast du wahrscheinlich schon von THCP und THCA gehört. Beide werden oft als besonders stark bezeichnet - aber welches ist wirklich stärker? Die Antwort ist nicht so einfach, wie viele Online-Quellen behaupten. Es geht nicht nur um Potenz, sondern um Wirkungsweise, Bioverfügbarkeit und wie dein Körper sie verarbeitet.
Was ist THCA?
THCA, kurz für Tetrahydrocannabinol-Säure, ist die natürliche Form von THC, die in frischen Hanfpflanzen vorkommt. Sie ist nicht psychoaktiv. Das heißt: Wenn du rohe Cannabis-Blüten isst, bekommst du keinen Rausch. THCA verwandelt sich erst in THC, wenn du es erhitzt - durch Rauchen, Dampfen oder Kochen. Dieser Prozess heißt Decarboxylierung. Ohne Hitze bleibt THCA einfach THCA.
Studien zeigen, dass THCA potenziell entzündungshemmend, neuroschützend und antiemetisch wirkt - also Übelkeit lindern kann. Einige Menschen nehmen THCA-Öle oder -Tinkturen ohne Erhitzung, um diese Effekte zu nutzen, ohne high zu werden. Es ist kein Rauschmittel, aber es ist kein harmloses Kraut. Es wirkt im Körper, nur eben anders als THC.
Was ist THCP?
THCP, oder Tetrahydrocannabiphorol, ist eine kürzlich entdeckte Verbindung, die erst 2019 von italienischen Forschern identifiziert wurde. Was sie so besonders macht: Ihre chemische Struktur hat sieben Seitenketten statt der fünf bei normalem THC. Diese längere Kette bindet viel fester an die CB1-Rezeptoren im Gehirn - die gleichen, die für den Rausch verantwortlich sind.
Erste Laborstudien ergaben, dass THCP bis zu 30-mal stärker an CB1-Rezeptoren bindet als THC. Das bedeutet: Eine winzige Menge kann eine enorme Wirkung haben. Wer THCP das erste Mal konsumiert, berichtet von intensiveren, längeren und manchmal unerwartet starken Erfahrungen - selbst bei Dosen, die bei normalem THC nur leicht wirken.
THCP vs. THCA: Direkter Vergleich
Ein Vergleich zwischen THCP und THCA ist wie ein Vergleich zwischen einem angezündeten Feuerwerkskörper und einem unentzündeten. Sie gehören nicht mal in dieselbe Kategorie.
- THCA ist nicht psychoaktiv - es verursacht keinen Rausch, es sei denn, es wird erhitzt.
- THCP ist extrem psychoaktiv - und zwar viel stärker als normales THC.
- THCA ist natürlich im Pflanzenmaterial enthalten; THCP kommt in winzigen Mengen vor und wird oft synthetisch hergestellt oder konzentriert.
- THCA wirkt über entzündungshemmende und neuroprotektive Wege; THCP wirkt primär über die psychoaktiven Rezeptoren im Gehirn.
Wenn du fragst: „Welches ist stärker?“, dann ist die Antwort klar: THCP ist stärker - aber nur, wenn du nach psychoaktiver Wirkung suchst. Wenn du nach therapeutischen Effekten ohne Rausch suchst, ist THCA die bessere Wahl.
Warum viele Menschen den Unterschied nicht verstehen
Im Markt für Cannabinoide wird oft verschwommen mit Begriffen umgegangen. Einige Anbieter nennen THCA-Produkte „starke Alternativen“ - aber das ist irreführend. THCA ist nicht stark, solange es nicht erhitzt wird. Ein THCA-Öl, das du unter die Zunge tropfen lässt, wird dich nicht high machen. Ein THCP-Öl dagegen - selbst in 0,5 mg - kann dich für Stunden außer Gefecht setzen.
Ein weiterer Irrtum: Manche denken, THCA sei „der Vorgänger“ von THCP. Das stimmt nicht. THCA ist ein Vorgänger von THC. THCP ist eine völlig andere Verbindung, die in der Pflanze entsteht, aber in extrem geringen Mengen - oft weniger als 0,1 %. Die meisten THCP-Produkte auf dem Markt sind synthetisch oder stark konzentriert.
Was passiert, wenn du THCP und THCA zusammen nimmst?
Es gibt kaum Studien dazu, aber Anwenderberichte deuten darauf hin: Wenn du THCA (unverändert) mit THCP kombinierst, kann sich die Wirkung von THCP abmildern - nicht weil THCA es blockiert, sondern weil es den Körper in einen anderen Zustand versetzt. THCA wirkt beruhigend, THCP kann überwältigend sein. Einige Nutzer kombinieren beide, um den Rausch „abzufedern“ - aber das ist riskant.
Ein Beispiel: Eine Person nimmt 2 mg THCP und 10 mg THCA. Sie fühlt sich nicht so high wie erwartet - aber sie ist müde, benommen und schwer konzentriert. Kein klassischer Rausch, aber keine klare Wirkung mehr. Es ist wie ein Auto mit Vollgas und angezogener Handbremse.
Wie du sicher damit umgehst
Wenn du THCP ausprobieren willst: Fang mit extrem niedrigen Dosen an. 0,5 mg reichen oft. Du kannst nicht einfach sagen: „Ich nehme wie bei THC“ - das endet oft mit Panik, Schwindel oder übermäßigem Schlaf. THCP ist nicht „stärkeres THC“. Es ist etwas anderes.
Bei THCA: Achte darauf, dass du es nicht erhitzt, wenn du keinen Rausch willst. Ein THCA-Öl in einem kalten Smoothie ist völlig anders als ein THCA-Extrakt, den du in eine Kapsel füllst und dann im Ofen erwärmst.
Beide Substanzen sind legal in Österreich - solange sie aus Hanf mit weniger als 0,2 % THC stammen. Aber Gesetze ändern sich. Und die Reinheit der Produkte? Die ist oft fragwürdig. Viele THCP-Öle enthalten unerkannte Nebenprodukte oder Lösungsmittelrückstände. Kaufe nur von Anbietern, die dritte-Labortests veröffentlichen - und prüfe, ob der Test auch THCP und THCA separat auflistet.
Was ist die Zukunft?
THCP ist die neue Sensation - aber es ist kein Wundermittel. Es ist ein starkes Werkzeug, das mit Vorsicht behandelt werden muss. THCA bleibt ein vielversprechendes therapeutisches Cannabinoid, das ohne Rausch wirkt. Beide haben ihren Platz - aber sie sind nicht austauschbar.
In den nächsten Jahren werden wir mehr Studien zu THCP sehen - vor allem zu Langzeitwirkungen und Abhängigkeitspotenzial. THCA wird weiter in der Medizin erforscht, besonders bei Neurodegeneration und chronischen Schmerzen. Beide werden die Cannabinoide-Landschaft verändern - aber nur, wenn wir sie richtig verstehen.
Ist THCP legal in Österreich?
Ja, THCP ist in Österreich legal, solange es aus Hanf mit einem THC-Gehalt von unter 0,2 % stammt. Die Gesetze regeln den THC-Gehalt, nicht THCP direkt. Allerdings ändern sich die Vorschriften schnell - viele Anbieter verkaufen THCP in Grauzonen. Prüfe immer die Labortests und die Herkunft des Produkts.
Kann THCA high machen?
Nein, THCA macht nicht high - es sei denn, es wird erhitzt. Durch Rauchen, Dampfen oder Kochen verwandelt sich THCA in THC, das dann psychoaktiv ist. Kalte Anwendungen wie Tinkturen oder Smoothies mit THCA führen nicht zu einem Rausch.
Wie stark ist THCP wirklich im Vergleich zu THC?
Laboruntersuchungen zeigen, dass THCP bis zu 30-mal stärker an die CB1-Rezeptoren bindet als THC. Das bedeutet: Eine Dosis von 1 mg THCP kann so stark wirken wie 10-30 mg THC. Aber die Wirkung variiert stark zwischen Menschen - manche reagieren extrem empfindlich, andere weniger.
Sollte ich THCP als Anfänger ausprobieren?
Nein. THCP ist nicht für Anfänger geeignet. Selbst minimale Dosen können zu starken, unerwarteten Effekten führen - Schwindel, Angst, Benommenheit. Wenn du neu bist, fange mit CBD oder niedrig dosiertem THC an. THCP ist kein Spielzeug, sondern ein starkes Cannabinoid mit hohem Risiko bei falscher Anwendung.
Woher weiß ich, ob ein Produkt wirklich THCP enthält?
Nur durch unabhängige Labortests. Schaue nach einem Zertifikat (COA), das die Konzentration von THCP, THCA, THC und anderen Cannabinoiden separat aufführt. Wenn der Test nur „Gesamt-THC“ angibt, ist er unbrauchbar. Vertraue nur Anbietern, die die vollständigen Testergebnisse öffentlich zeigen.