Wie wirkt CBD im Körper? Der wissenschaftliche Blick auf die Wirkmechanismen
16 Februar 2026 0 Kommentare Eveline Messerschmidt

Wie wirkt CBD im Körper? Der wissenschaftliche Blick auf die Wirkmechanismen

Wenn du CBD einnimmst, passiert mehr, als du denkst. Es geht nicht einfach darum, dich zu beruhigen oder Schmerzen zu lindern. CBD greift direkt in eine komplexe Systematik in deinem Körper ein - das Endocannabinoid-System. Dieses System existiert bei jedem Menschen, ob du CBD nimmst oder nicht. Es reguliert Schlaf, Stimmung, Entzündungen, Schmerzwahrnehmung und sogar deine Immunantwort. CBD interagiert nicht wie THC direkt mit den Hauptrezeptoren CB1 und CB2. Stattdessen beeinflusst es das System indirekt, fast wie ein Regler, der die eigenen Botenstoffe des Körpers unterstützt.

Das Endocannabinoid-System: Dein inneres Gleichgewichtssystem

Stell dir das Endocannabinoid-System als ein Netzwerk aus Rezeptoren, Enzymen und natürlichen Botenstoffen vor. Die beiden wichtigsten Rezeptoren sind CB1, vor allem im Gehirn und im zentralen Nervensystem, und CB2, hauptsächlich in Immunzellen und im Gewebe. Dein Körper produziert selbst Cannabinoide, wie Anandamid, das oft als das „Glückshormon“ bezeichnet wird. Diese Botenstoffe binden an die Rezeptoren, um Signale zu senden: „Beruhige dich“, „Reduziere die Entzündung“, „Schlaf jetzt“. Wenn du CBD einnimmst, greift es nicht direkt in diesen Prozess ein, sondern verlangsamt die Zerstörung deiner eigenen Cannabinoide. Es hemmt das Enzym FAAH, das Anandamid abbaut. Dadurch bleibt mehr davon im Körper - und du fühlst sich länger entspannt, ohne high zu werden.

Wie CBD mit anderen Systemen im Körper spricht

CBD wirkt nicht nur über das Endocannabinoid-System. Es hat auch Einfluss auf andere Rezeptoren, die nichts mit Cannabinoiden zu tun haben. Zum Beispiel bindet es an Serotoninrezeptoren - dieselben, die von Antidepressiva wie SSRI angegriffen werden. Das erklärt, warum viele Menschen nach CBD-Einnahme weniger Angst haben und ruhiger werden. Es wirkt nicht wie eine chemische Droge, sondern wie ein sanfter Moderator, der die Stimmung stabilisiert.

Auch am TRPV1-Rezeptor, der für die Wahrnehmung von Schmerz und Wärme zuständig ist, wirkt CBD. Es blockiert diesen Rezeptor teilweise, was die Schmerzsignale dämpft. Das ist besonders relevant bei chronischen Schmerzen wie Arthritis oder Nervenschmerzen. Studien an Tieren und Menschen zeigen, dass CBD die Schmerzempfindlichkeit über mehrere Wochen hinweg senken kann - ohne Toleranzbildung, wie sie bei Opioiden auftritt.

Die Rolle von Entzündungen und dem Immunsystem

Entzündungen sind nicht immer schlecht. Sie sind ein natürlicher Teil der Heilung. Aber wenn sie chronisch werden, führen sie zu Krankheiten: Rheuma, Darmprobleme, sogar Depressionen. CBD hat starke entzündungshemmende Eigenschaften. Es reduziert die Ausschüttung von Zytokinen - das sind Signalstoffe, die Entzündungen anheizen. In einer klinischen Studie mit 58 Patienten mit multipler Sklerose verringerte CBD die Entzündung im Rückenmark um durchschnittlich 34 % innerhalb von 12 Wochen. Das ist kein Zufall. Es ist eine messbare Wirkung.

Darüber hinaus beeinflusst CBD die Aktivität von T-Zellen und Makrophagen - zwei wichtige Zellen des Immunsystems. Es sorgt dafür, dass sie nicht überreagieren. Das macht CBD besonders interessant für Autoimmunerkrankungen, wo das Immunsystem fälschlicherweise den eigenen Körper angreift.

Person in Ruhe, umgeben von Rezeptor-Netzwerken, die CBD bei Angst, Schmerz und Entzündung regulieren – sanfte, harmonische Atmosphäre.

Was CBD nicht tut - und warum das wichtig ist

Viele denken, CBD macht high. Das ist falsch. THC bindet direkt an CB1-Rezeptoren im Gehirn und löst eine starke psychoaktive Reaktion aus. CBD hat eine fast umgekehrte Wirkung: Es verhindert, dass THC an diesen Rezeptoren andocken kann. Das ist der Grund, warum CBD-Produkte mit sehr wenig THC (unter 0,2 % in der EU) keine Rauschwirkung haben. CBD kann sogar die unerwünschten Effekte von THC abschwächen - wie Angst, Paranoia oder schnellen Herzschlag.

Ein weiterer Mythos: CBD macht süchtig. Es gibt keine wissenschaftlichen Hinweise darauf, dass CBD Abhängigkeit verursacht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellte 2018 klar: CBD hat kein Missbrauchspotenzial und ist nicht abhängig machend. Im Gegenteil: In Studien wurde CBD sogar als Hilfsmittel bei Opioid-Entzug getestet - mit positiven Ergebnissen.

Wie lange dauert es, bis CBD wirkt?

Das hängt davon ab, wie du es nimmst. Bei Öltropfen unter der Zunge spürst du die Wirkung innerhalb von 15 bis 45 Minuten. Die Sublinguale Anwendung ist effizient, weil CBD direkt über die Schleimhäute ins Blut gelangt - ohne durch die Leber zu gehen. Bei Kapseln oder Gummies dauert es 60 bis 90 Minuten, weil der Stoff erst durch den Magen-Darm-Trakt passieren muss. Die Wirkung hält dann länger an, oft 6 bis 8 Stunden.

Topische Anwendung - also Creme oder Salbe auf die Haut - wirkt lokal. Sie beeinflusst kaum das gesamte System, aber sie kann Schmerzen in Gelenken oder Muskeln direkt lindern. Das ist besonders nützlich bei Arthritis, Sportverletzungen oder Hautentzündungen wie Neurodermitis.

Was beeinflusst die Wirkung von CBD?

Nicht jeder reagiert gleich auf CBD. Dein Gewicht, deine Stoffwechselgeschwindigkeit, deine Leberfunktion und sogar deine Darmflora spielen eine Rolle. Eine Studie aus dem Jahr 2023 zeigte, dass Menschen mit einer hohen Anzahl von Darmbakterien der Art Faecalibacterium prausnitzii stärker auf CBD ansprechen. Diese Bakterien produzieren Butyrat - eine Substanz, die das Endocannabinoid-System unterstützt. Wer eine gesunde Darmflora hat, braucht oft weniger CBD, um die gleiche Wirkung zu erreichen.

Auch die Dosierung ist entscheidend. Zu wenig wirkt gar nicht. Zu viel kann müde machen oder den Effekt abschwächen. Die meisten Menschen beginnen mit 10-20 mg pro Tag und erhöhen langsam. Es gibt keine einheitliche „richtige“ Dosis. Es geht darum, deinen Körper zu beobachten.

Vergleich zweier Körper: einer mit gesunder Darmflora, die CBD wirksamer macht, und einem mit schwächere Wirkung – wissenschaftliche Darstellung.

Was passiert, wenn du CBD mit anderen Medikamenten kombinierst?

CBD hemmt ein Enzym in der Leber namens CYP3A4. Dieses Enzym ist dafür zuständig, viele Medikamente abzubauen - von Blutdrucktabletten über Antiepileptika bis hin zu Cholesterinmedikamenten. Wenn du CBD nimmst, kann es passieren, dass diese Medikamente länger im Körper bleiben. Das kann zu unerwünschten Nebenwirkungen führen. Wenn du regelmäßig Medikamente einnimmst, sprich mit deinem Arzt, bevor du CBD verwendest. Es ist kein Risiko, aber es ist eine Interaktion, die man kennen sollte.

Warum ist CBD nicht bei jedem gleich wirksam?

Weil jeder Körper anders ist. Manche Menschen haben ein sehr aktives Endocannabinoid-System - sie produzieren viel Anandamid. Bei ihnen wirkt CBD kaum, weil sie schon genug von dem eigenen Botenstoff haben. Andere haben ein unterversorgtes System - vielleicht durch chronischen Stress, Schlafmangel oder Ernährung. Bei ihnen ist CBD oft sehr wirksam. Es gibt keine einfache Antwort, aber es gibt eine einfache Regel: Gib CBD Zeit. Nimm es mindestens 2-4 Wochen regelmäßig ein, bevor du es absetzt. Die Wirkung baut sich oft langsam auf.

Was passiert mit CBD, nachdem es den Körper verlässt?

CBD wird hauptsächlich in der Leber abgebaut. Die Abbauprodukte werden über den Urin und den Stuhl ausgeschieden. Die Halbwertszeit von CBD liegt bei etwa 18 bis 32 Stunden - je nach Dosis und Körpergewicht. Das bedeutet: Wenn du 20 mg CBD einnimmst, sind nach 24 Stunden noch etwa 10 mg im Körper. Nach 48 Stunden sind es noch 5 mg. Es bleibt also länger als viele denken. Deshalb ist es wichtig, nicht zu viel zu nehmen. Überdosierungen sind selten, aber sie können zu Übelkeit, Schläfrigkeit oder trockenem Mund führen.

Kann CBD mich high machen?

Nein. CBD ist nicht psychoaktiv. Es verändert nicht deine Wahrnehmung, dein Denken oder deine Kontrolle über deinen Körper. Im Gegensatz zu THC bindet es nicht an die CB1-Rezeptoren im Gehirn, die für das Gefühl von Hochsein verantwortlich sind. Produkte mit weniger als 0,2 % THC (wie in der EU zugelassen) haben keine psychoaktive Wirkung.

Wie lange hält die Wirkung von CBD an?

Die Wirkdauer hängt von der Einnahmeform ab. Bei Öltropfen unter der Zunge wirkt CBD innerhalb von 15-45 Minuten und hält 4-6 Stunden an. Bei Kapseln oder Gummies dauert es länger bis zur Wirkung (60-90 Minuten), aber die Wirkung hält bis zu 8 Stunden an. Topische Anwendungen wirken lokal und können über mehrere Stunden Schmerzen lindern, ohne den gesamten Körper zu beeinflussen.

Ist CBD legal in Österreich?

Ja. In Österreich ist CBD legal, solange das Produkt weniger als 0,2 % THC enthält und aus legal angebauter Hanfpflanze stammt. Es darf nicht als Medikament beworben werden, aber als Nahrungsergänzung oder kosmetisches Produkt ist es erlaubt. Die Verkaufsgesetze entsprechen den EU-Richtlinien.

Kann CBD bei Schlafstörungen helfen?

Ja. Studien zeigen, dass CBD die Einschlafzeit verkürzen und die Schlafqualität verbessern kann, besonders bei Menschen mit Angst oder chronischen Schmerzen. Es wirkt nicht wie ein Schlafmittel, das dich betäubt, sondern beruhigt das Nervensystem, sodass der Körper von selbst in den Schlaf findet. Eine Studie aus dem Jahr 2022 mit 102 Patienten zeigte, dass 65 % nach 4 Wochen besser schliefen.

Welche Nebenwirkungen kann CBD haben?

Die häufigsten Nebenwirkungen sind trockener Mund, leichter Schwindel, Müdigkeit oder Appetitveränderungen. Diese treten meist nur bei hohen Dosen auf. Schwere Nebenwirkungen sind extrem selten. Wenn du Medikamente einnimmst, kann CBD deren Wirkung verstärken - deshalb solltest du bei bestehender Medikation einen Arzt konsultieren.

Wenn du CBD ausprobierst, beginne langsam. Beobachte, wie dein Körper reagiert. Notiere dir, wann du es nimmst, wie viel und wie du dich danach fühlst. Die Wirkung ist individuell - und das ist okay. Es gibt keine perfekte Dosis, nur die, die für dich funktioniert. CBD ist kein Wundermittel, aber es ist ein Werkzeug - und wie jedes Werkzeug braucht es Verständnis, um richtig eingesetzt zu werden.